Hintergründe des Tragens:


Das menschliche Baby ist ein Tragling (im Unterschied zu Nesthockern und Nestflüchtern)

Der Typus Tragling zeichnet sich dadurch aus, dass er nach der Geburt relativ hilflos ist, aber

gute Hand- und Fußgreifreflexe ausgebildet hat. Außerdem rufen sie sofort nach der Mutter,

wenn sie den Körperkontakt verlieren.

Schon in der Steinzeit war das Getragen-werden für Babys überlebenswichtig- hätten die

Eltern ihre Kinder an den Schlafplätzen zurück gelassen, wären sie wohl erfroren oder

gefressen worden.


Auch wichtig zu erwähnen ist, dass der Mensch eine physiologische Frühgeburt ist, d.h. er

kommt körperlich unreif zur Welt. Die Reifung geschieht am besten am Körper des

Erwachsenen (das Baby bekommt dabei Wärme, spürt den Herzschlag und die Atmung).


Es ist deshalb auch nicht möglich, ein Baby durch Tragen zu verwöhnen, da dies nur der

Erfüllung seiner Grundbedürfnisse entspricht.(verwöhnen heißt ja, jemandem etwas

abzunehmen, das derjenige selbst tun kann). Körperkontakt und Nähe zählen aber genauso zu

den Grundbedürfnissen von Babys, die sie sich selbst nicht erfüllen können.


Körperliche Entwicklung und deren Bedeutung für das Tragen:


Wirbelsäule:


Babys kommen mit einer komplett runden Wirbelsäule zur Welt (Totalkyphose), erst im

Laufe des 1. Lebensjahres richtet sich die WS in mehreren Schritten auf: zunächst im Bereich

der HWS (wenn Babys den Kopf sicher halten können), dann beim selbstständigen sitzen im

Bereich der BWS und zuletzt beim freien gehen im Bereich der LWS.

Die zunächst gerundete Form der WS muss beim Tragen unbedingt berücksichtigt werden

(aus diesem Grund sind auch viele Tragehilfen, die keine Rückenrundung zulassen, nicht

empfehlenswert)


Ein wichtiger Bereich der WS sind die Bandscheiben, die zwischen den Wirbelkörpern liegen

und als Stossdämpfer dienen. Die Bandscheiben sind bei Babys (im Gegensatz zu

Erwachsenen) gut durchblutet und entwickeln sich erst nach und nach mit der Aufrichtung der

WS. Daher ist es unbedingt notwenig, darauf zu achten, dass das Baby nicht in eine Haltung

kommt, in der die Durchblutung abgedrückt werden kann (z.b. schiefe/seitlich geneigte

Position in der Trage). Wird das Baby in liegender Position transportiert, ist keine

stoßdämpfende Wirkung der Bandscheiben möglich und die Stoßbelastung überträgt sich

direkt auf die WS. Unter anderem aus diesem Grund ist auch von der Wiegeposition (tragen

im liegen) abzuraten.


Becken und Hüftgelenk:

Das Hüftgelenk besteht aus Pfanne (Beckenknochen) und Kopf (Oberschenkelknochen). Das

Becken ist beim Säugling noch nicht verknöchert, sondern es besteht aus Knorpel

(Verknöcherung dauert weit über das erste Lebensjahr hinaus, bis in die Pubertät). Dadurch ist

das Hüftgelenk anfällig für äußere Einflüsse, die es verformen können. Für das Tragen ist

demnach wichtig, dass der Hüftkopf zentriert in der Hüftpfanne steht- so wird der Druck auf

die Pfannenwände verhindert und das Hüftgelenk kann sich optimal ausbilden. Die beste

Haltung dafür ist die Anhock-Spreiz-Haltung (die Anhockung sollte dabei ca. 110 Grad

betragen, die Abspreizung max. 45 Grad von der Körpermitte aus- bei Neugeborenen sogar

nur 30 Grad und weniger). Im Bezug auf Tragehilfen ist dies von Bedeutung, da in einer TH

durch den Hüftgurt, auf dem das Baby "sitzt", automatisch eine größere Abspreizung gegeben

ist und daher eine ideale Anhock-Spreiz-Haltung nicht möglich ist.